Pressemitteilung: LEE Sachsen kritisiert ADAC-Analyse

Von LEE Sachsen e. V.

ADAC blendet wahre Kosten des Verbrenners aus – gesellschaftliche Folgekosten systematisch ignoriert

Die jüngste Kostenanalyse des ADAC zur Gegenüberstellung von Elektrofahrzeugen und Verbrennern leidet nicht nur an methodischen Verkürzungen im Bereich der Strompreisannahmen. Sie verkennt vor allem einen zentralen Punkt jeder seriösen energiewirtschaftlichen Betrachtung: die vollständige Ausblendung externer Kosten fossiler Mobilität.

 

Systematische Untererfassung der tatsächlichen Kosten

Die vom ADAC vorgenommene Vergleichsrechnung beschränkt sich im Kern auf private Nutzungskosten. Damit bleibt ein wesentlicher Teil der volkswirtschaftlichen Realität unberücksichtigt.

Zu den externen Kosten des Verbrennungsmotors zählen insbesondere:

  • Klimaschäden durch CO₂-Emissionen (langfristige Infrastruktur- und Anpassungskosten)
  • Gesundheitskosten infolge von Feinstaub, Stickoxiden und Ozonbelastung
  • Umwelt- und Ökosystemschäden
  • Militärische und geopolitische Sicherungskosten fossiler Energieimporte
  • Subventionen und steuerliche Privilegierungen fossiler Energieträger

Diese Kosten werden nicht vom Verursacher getragen, sondern auf die Allgemeinheit verlagert.

 

Juristische und ökonomische Einordnung

Aus rechtlicher und ordnungspolitischer Perspektive handelt es sich um klassische externe Effekte. Deren Nichtberücksichtigung führt zu erheblichen Marktverzerrungen.

Im Sinne des Verursacherprinzips – verankert sowohl im Umweltrecht als auch im europäischen Primärrecht – wäre eine vollständige Internalisierung dieser Kosten geboten.

Eine Vergleichsrechnung, die diese externen Kosten vollständig ausblendet, ist daher:

  • methodisch unvollständig,
  • ökonomisch verzerrend und
  • in ihrer öffentlichen Wirkung potenziell irreführend.

Der eigentliche Befund: Verbrenner sind künstlich „billig gerechnet“. Würden die realen gesellschaftlichen Kosten berücksichtigt, ergäbe sich ein grundlegend anderes Bild:

  • Der Verbrennungsmotor ist nicht günstig, sondern strukturell subventioniert.
  • Elektromobilität – insbesondere in Verbindung mit Eigenstrom aus Photovoltaik – ist bereits heute systemisch überlegen.
  • Die vermeintliche Kostengleichheit ist Ergebnis einer selektiven Betrachtung.

„Die ADAC-Berechnung leidet an einem fundamentalen Konstruktionsfehler: Sie behandelt den Verbrenner so, als verursache er lediglich private Kosten. Tatsächlich aber externalisiert er erhebliche Schäden auf die Allgemeinheit. Wer diese Kosten unterschlägt, betreibt keine neutrale Analyse, sondern eine Schönrechnung fossiler Technologien. Das ist energiewirtschaftlich ein Rückschritt und klimapolitisch hochproblematisch.“ – Prof. Dr. Martin Maslaton

 

Energiewirtschaftliches Fazit

Die Zukunft der Mobilität ist eine Frage der Kostenwahrheit:

  • Elektromobilität integriert sich in ein regeneratives Energiesystem.
  • Der Verbrennungsmotor steht für ein auslaufendes, externalisierendes Kostenmodell.

Eine moderne Energie- und Verkehrspolitik muss daher konsequent auf Kostenwahrheit und Sektorenkopplung setzen.

 

Der Verband fordert eine vollständige Einpreisung externer Kosten sowie eine realitätsnahe Betrachtung der Stromgestehungskosten bei der Bewertung von Mobilitätsformen.

 

Leipzig, März 2026

Prof. Dr. Martin Maslaton

Energiejurist, Technische Universität Chemnitz

Vorstandsvorsitzender LEE SACHSEN e. V. 

LEE Sachsen e. V.
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