Ausschreibungsergebnisse für Windenergie: Politisch widersprüchliches Signal in Zeiten wachsender geopolitischer Risiken
Die aktuellen Ergebnisse der Windenergie-Ausschreibung zum 1. Februar 2026 markieren eine neue Eskalationsstufe des Wettbewerbsdrucks: Bei einem ausgeschriebenen Volumen von 3.445 MW wurden Gebote in Höhe von 7.858 MW abgegeben. Der durchschnittliche Zuschlagswert sank dabei auf lediglich 5,54 ct/kWh.
Aus Sicht des Landesverbandes ist diese Entwicklung energiepolitisch hoch problematisch.
„Die aktuellen Zuschlagswerte stehen in einem eklatanten Widerspruch zur gegenwärtigen geopolitischen Lage. Während Europa weiterhin mit den Folgen fossiler Abhängigkeiten ringt und Versorgungssicherheit sowie Resilienz in den Mittelpunkt rücken müssten, wird ausgerechnet die Windenergie – eine tragende Säule der energiepolitischen Unabhängigkeit – durch überzogenen Wettbewerbsdruck wirtschaftlich unter Druck gesetzt“, erklärt Andreas Lietzmann zuständiges Vorstandsmitglied des LEE Sachsen.
Die drastisch gesunkenen Zuschlagswerte spiegeln keinen gesunden Wettbewerb wider, sondern vielmehr eine strukturelle Schieflage des Ausschreibungssystems. Der derzeitige Mechanismus zwingt Projektentwickler zunehmend zu aggressiven Gebotsstrategien, die langfristig die wirtschaftliche Tragfähigkeit von Projekten gefährden.
Gerade vor dem Hintergrund internationaler Krisen und der weiterhin bestehenden Importabhängigkeit von Öl und Gas ist diese Entwicklung kaum nachvollziehbar. Die Windenergie leistet einen unmittelbaren Beitrag zur Reduzierung externer Abhängigkeiten und zur Stabilisierung der Energiepreise. Eine politisch induzierte Margenerosion in diesem Sektor wirkt daher kontraproduktiv.
„Wer ernsthaft Versorgungssicherheit und strategische Souveränität will, darf die wirtschaftlichen Grundlagen der erneuerbaren Energien nicht untergraben. Die aktuellen Ausschreibungsergebnisse senden das falsche Signal – sowohl an Investoren als auch an die Industrie“, so der Vorstand weiter.
Der LEE Sachsen fordert daher eine kurzfristige Überprüfung der Ausschreibungsmechanismen. Insbesondere ist zu prüfen, ob die Festlegung der Höchstwerte sowie die Ausgestaltung der Ausschreibungsvolumina noch geeignet sind, die energiepolitischen Ziele unter den veränderten geopolitischen Rahmenbedingungen zu erreichen.
Die Energiewende ist längst nicht mehr allein ein klimapolitisches Projekt. Sie ist ein zentraler Bestandteil der wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Resilienz Deutschlands. Diese Realität muss sich auch im regulatorischen Rahmen widerspiegeln.
Fazit:
Die aktuellen Ausschreibungsergebnisse sind kein Erfolg des Marktes, sondern Ausdruck eines Systems, das seine eigenen strategischen Ziele zu konterkarieren droht.
Leipzig, April 2026
LEE Sachsen e. V.
Vorstand