Schnittstellen, KI und die neue Realität der Energiewende für Dual use
Von LEE Sachsen e. V.
Ein Persönlicher Beitrag
Die Energiewende wird in Deutschland noch immer überwiegend als klimapolitisches und wirtschaftliches Projekt verstanden. Diese Perspektive greift zu kurz.
Spätestens seit den geopolitischen Umbrüchen der letzten Jahre ist klar: Energieinfrastruktur ist Teil der sicherheitspolitischen Realität. Und mit der fortschreitenden Digitalisierung tritt ein weiterer Faktor hinzu, der diese Entwicklung grundlegend verändert – die Künstliche Intelligenz.
In diesem Zusammenhang gewinnt ein Begriff an Bedeutung, der bislang vor allem in Fachkreisen verwendet wurde: Dual Use. Gemeint ist damit die Fähigkeit von Technologien, sowohl zivilen als auch militärischen Zwecken zu dienen. Was lange als Ausnahme galt, wird zunehmend zum Regelfall moderner, digital vernetzter Systeme.
Die entscheidende Zäsur liegt nicht in einzelnen Technologien, sondern in ihren Schnittstellen. Überall dort, wo physische Systeme digital steuerbar sind, wird aus einer theoretischen Frage eine praktisch relevante sicherheitspolitische Dimension.
Das betrifft:
• Windenergieanlagen mit Fernzugriff
• Umspannwerke mit digitaler Netzsteuerung
• Batteriespeicher mit intelligentem Lastmanagement
• Drohnen mit autonomer Navigation
Diese Systeme sind effizient – aber zugleich auch potenziell angreifbar.
Künstliche Intelligenz wirkt dabei als Verstärker: Sie erhöht die Leistungsfähigkeit, aber auch die Komplexität und die Verwundbarkeit vernetzter Systeme.
Die klassische Trennung zwischen „zivil“ und „verteidigungsrelevant“ verliert damit an Bedeutung. Denn die sicherheitspolitische Relevanz entsteht nicht erst im militärischen Einsatz – sie ist bereits im zivilen Betrieb angelegt.
Die Konsequenz daraus ist keine Militarisierung von Wirtschaft und Gesellschaft. Aber es ist eine Frage der Verantwortung: Welche Rolle können und müssen Technologien, Unternehmen und Infrastrukturen künftig für die Resilienz und Verteidigungsfähigkeit einer offenen Gesellschaft übernehmen?
Diese Frage stellt sich nicht abstrakt, sondern konkret – überall dort, wo digitale Schnittstellen existieren. Die Energiewende wird damit zu mehr als einem Transformationsprojekt. Sie wird Teil einer umfassenderen Aufgabe: der Sicherung einer freiheitlichen und resilienten Ordnung unter veränderten globalen Bedingungen.
Diese Erkenntnis ist unbequem.
Aber sie ist notwendig.
Und vielleicht führt genau diese Einsicht zu einer neuen Perspektive auf den Begriff des Dual Use:
Nicht als Risiko, das es zu vermeiden, sondern als Verantwortung, die es bewusst zu gestalten gilt.