Windkraftmoratorium in Sachsen – Angst vor der eigenen Courage
Beobachtete man den Fortschritt des Ausbaus der Windenergie in Sachsen in den vergangenen zwei Jahren, wurde man angenehm überrascht.
Der Ausbau ging voran, Sachsen legte fast so etwas wie einen Turbo ein. Die landeseigene Genehmigungsstatistik wies im Berichtszeitraum 1. Juli 2025 bis 30. Juni 2026 Genehmigungen in 26 Verfahren für 80 Windenergieanlagen mit einer installierten elektrischen Nennleistung von insgesamt rund 541 Megawatt nach dem BImSchG aus.
Dem sächsischen Wirtschafts- und Energieminister Dirk Panter gefällt das. In einer Pressemeldung anlässlich der Bund-Länder-Initiative Windenergie vom 10. Juni 2026 lässt er sich wie folgt zitieren: „Vor allem beim Windkraftausbau haben wir deutlichen Nachholbedarf: Aktuell sind in Sachsen nur 0,3 Prozent der Landesfläche für Windenergie genutzt oder ausgewiesen. Die Anstrengungen aller Beteiligten zeigen jedoch Wirkung: Allein im ersten Quartal dieses Jahres wurden im Freistaat 211 MW neue Leistung genehmigt – mehr als im gesamten Jahr 2025 (210 MW).“
Man hatte das Gefühl, Sachsen setzt zur Aufholjagd an.
Seit Ende September wird man als sächsischer Beobachter dann wieder von der Realität eingeholt. „Windrad-Stopp“ titelt die Leipziger Volkszeitung am 28. September 2026. „Wildwuchs“ solle verhindert werden. Dirk Panter lässt sich so zitieren: „Niemand soll überfordert werden“. Infrastrukturministerin Regina Kraushaar will verhindern, dass einzelne Vorhaben schneller als die Regionalplanung sind.
Gleichzeitig wird ein von einem AfD-Bürgermeister initiierter Volksantrag gegen Windenergie im Herbst an das Parlament übergeben werden.
Die Sächsische Staatsregierung übernimmt wieder einmal die Politik der als gesichert rechtsextrem eingestuften AfD in der Hoffnung, damit punkten zu können. Dabei zeigen alle Studien – und übrigens auch die kürzlich in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern durchgeführten Wahlen – dass es nur der AfD nützt, wenn man ihre Politik macht. Die fordert in Sachsen-Anhalt übrigens nahezu zeitgleich nahezu das gleiche, nur eben ein bisschen extremer.
Die Sächsische Staatsregierung hat Angst vor der eigenen Courage. Sie hat sich in den vergangenen zwei Jahren für die Windenergie stark gemacht, hat gesetzliche Regelungen geschaffen, die der Windenergie helfen – und will nun die Uhren zurückdrehen, weil die AfD die gleiche alte Sau durchs Dorf treibt.
Windrad-Stopp? Kann man machen. Dann muss man aber auch ehrlich sein und einen sächsischen Endlagerstandort anbieten.
Ein Kommentar von Moritz Müller, Vorstandsmitglied LEE Sachsen